KI, Energie und der neue Superzyklus nachhaltiger Infrastrukturinvestitionen

Die globale Wirtschaft befindet sich an einem Wendepunkt, an dem technologische Innovation, Energieversorgung und geopolitische Stabilität neu austariert werden. Die rapide Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) verändert nicht nur einzelne Geschäftsmodelle, sondern schafft einen strukturell höheren Energiebedarf, der das Fundament moderner Volkswirtschaften berührt. Während KI‑Modelle immer leistungsfähiger werden und Rechenzentren exponentiell wachsen, tritt ein Engpass hervor, der lange unterschätzt wurde: Energie.

Die Rolle der KI für die Kapitalmärkte

Kaum ein Thema hat die internationalen Kapitalmärkte so nachhaltig geprägt wie KI. Nach unserer Beobachtung dominiert es inzwischen die Marktdiskussion. Für Unternehmen ist KI nicht länger ein abstraktes Zukunftsmotiv, sondern der Hebel für Produktivität, neue Erlösmodelle und Margenstabilität. Gleichzeitig erzeugt sie eine neue Art von Nachfrage: Sie benötigt enorme Energiemengen – verlässlich, skalierbar, schnell verfügbar und vorzugsweise erneuerbar.

Dynamisch wachsender Energiebedarf

Die Lastkurve der Rechenzentren steigt deutlich steiler als in früheren IT‑Zyklen. Schätzungen zufolge wächst der Stromverbrauch KI‑optimierter Rechenzentren von 74 TWh (2022) auf 500 TWh (2027) – mehr als eine Versechsfachung binnen fünf Jahren und 2,6‑mal so hoch des Bedarfs von 2023. Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Entwicklungen.

In den USA, dem Epizentrum des Rechenzentrums‑Ausbaus, verlief der Elektrizitätsverbrauch über zwei Jahrzehnte nahezu seitwärts; mit KI dreht der Trend klar nach oben. Diese Wachstumskurve stellt Energiepolitik, Netzinfrastruktur und Projektentwicklung vor eine einfache, aber harte Frage: Woher kommt der zusätzliche Strom – und wie schnell lässt er sich ans Netz bringen?

Hyperscaler als Energieproduzenten ihrer selbst

Die großen Plattformanbieter reagieren, indem sie die Energiefrage vertikal integrieren. Sinnbildlich steht dafür die von Alphabet/Google angekündigte Übernahme des US‑Entwicklers Intersect Power im Volumen von rund 4,75–5 Mrd. US-Dollar: Erstmals erwirbt ein Tech‑Konzern einen bedeutenden Erneuerbaren‑Entwickler vollständig, um Energieparks – inklusive Speicher – in unmittelbarer Nähe zu neuen Rechenzentren aufzubauen. Parallel bereitet Meta den Eintritt in den US‑Großhandelsstrommarkt vor, um Lastmanagement und Beschaffung stärker zu kontrollieren. 

Hinweis: Die angeführten Unternehmen sind beispielhaft ausgewählt worden und stellen keine Anlageempfehlung dar.

Was sind Hyperscaler?

Hyperscaler sind große Cloud‑ und Rechenzentrumsanbieter, die weltweit verteilte Infrastrukturen mit tausenden von Servern betreiben und flexibel skalierbare IT‑Ressourcen wie Rechenleistung, Speicher, Datenbanken und Netzwerke bereitstellen. Sie ermöglichen Unternehmen, enorme Datenmengen zu verarbeiten und Anwendungen in großem Umfang zu betreiben. Typische Hyperscaler sind Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure, Google Cloud, aber auch Anbieter wie IBM Cloud oder Alibaba Cloud (Quelle: redhat.com).

Trotz der dynamischen Investitionen der Hyperscaler sollten Anleger:innen berücksichtigen, dass diese starke Abhängigkeit von nur wenigen Akteuren auch Risiken birgt. Strategiewechsel, Verschiebungen von CAPEX‑Budgets oder regulatorische Eingriffe können Investitionszyklen bremsen – wie es etwa zwischen 2022 und Frühjahr 2025 sichtbar wurde, als höhere Zinsen, politische Unsicherheiten und Verzögerungen in Lieferketten zu deutlicher Underperformance im gesamten Green‑Tech‑Segment führten. Auch wenn sich das Umfeld inzwischen strukturell verbessert hat, bleiben makroökonomische Rahmenbedingungen und die Investitionsbereitschaft der großen Cloud‑Anbieter wichtige Einflussfaktoren für die kurzfristige Entwicklung der Branche.

Das Hyperion Data Center ist ein von Meta und dem Finanzinvestor Blue Owl Capital entwickeltes Mega‑Rechenzentrum in Richland Parish, Louisiana, und zählt mit einem Investitionsvolumen von rund 27 Mrd. US-Dollar zu den größten und ambitioniertesten KI‑Infrastrukturprojekten weltweit. Das Projekt umfasst einen hyperskalierbaren Campus, der bis 2030 fertiggestellt werden soll und eine IT‑Leistung von mehreren Gigawatt bereitstellen kann (Quelle: CNBC).

Solar, Wind und Geothermie sind die Profiteure

Damit KI‑Systeme wachsen können, muss Energie in einem historisch beispiellosen Tempo skaliert werden. Erneuerbare Energien nehmen hierbei eine Schlüsselrolle ein, weil sie als einzige Technologien schnell genug bereitgestellt werden können, um die steigende Nachfrage tatsächlich zu bedienen. Während konventionelle Großkraftwerke mehrjährige Planungs‑ und Genehmigungszyklen erfordern, lassen sich Solar‑ und Windparks in deutlich kürzerer Zeit ans Netz bringen – oft innerhalb weniger Quartale bis weniger Jahre. Diese Time‑to‑Power ist im KI‑Zeitalter der zentrale Wettbewerbsvorteil.

Hinzu kommt die Planbarkeit: Langfristige Stromabnahmeverträge (PPAs) bieten über Laufzeiten von bis zu zwanzig Jahren verlässliche Erlösstrukturen. Betreiber von Rechenzentren erhalten damit stabile, kalkulierbare Strompreise – ein kritischer Faktor, wenn Lasten und Rechenkapazitäten im Jahrestakt steigen. Zugleich zahlt der Ausbau der Erneuerbaren auf Dekarbonisierungsziele ein, die auf beiden Seiten des Atlantiks regulatorisch fest verankert sind. Geothermie ergänzt das System mit grundlastfähiger, wetterunabhängiger Erzeugung, während Batteriespeicher zunehmend stundenweise Flexibilität und Netzdienstleistungen bereitstellen. In Summe entsteht ein Energiemix, der Geschwindigkeit, Kostenklarheit und Nachhaltigkeit vereint – genau das, was die KI‑Ökonomie benötigt.

Der neue Infrastruktursuperzyklus: Netze, Kühlung und Elektrifizierung

Energieerzeugung ist jedoch nur die eine Hälfte der Gleichung. Mindestens ebenso wichtig ist die Infrastruktur, die Strom zuverlässig an die Rechenzentren bringt – und dort effizient verteilt und abgeführt wird. Der notwendige Netzausbau umfasst höhere Übertragungskapazitäten, zusätzliche Hochspannungsleitungen und eine deutlich feinere Laststeuerung.

Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach Transformatoren, Schaltanlagen, Leistungselektronik, Hochleistungskabeln sowie hocheffizienten Kühlsystemen.

Unternehmen aus der Elektrifizierungs‑ und Grid‑Technologie – etwa Schneider Electric, ABB, Quanta Services, MYR Group, Hammond Power Solutions und andere – avancieren zu unverzichtbaren Partnern der KI‑Infrastruktur. In den USA dürfte die übertragene Netzkapazität in Teilen faktisch verdoppelt werden müssen, um die prognostizierten Lasten zu bewältigen. Ergebnis ist ein breit basierter Infrastruktursuperzyklus, der weit über den Stromsektor hinausgreift und ganze Industriecluster neu ordnet.

Attraktive Bewertungen im Green‑Tech‑Sektor

Auffällig ist, dass dieses robuste, langfristige Wachstum noch nicht vollständig in den Bewertungen vieler Green‑Tech‑Titel reflektiert ist. Während große Tech‑Indizes Bewertungsaufschläge verzeichneten, handeln zahlreiche Erneuerbaren‑, Netz‑ und Infrastrukturwerte weiterhin mit deutlichen Abschlägen gegenüber dem Gesamtmarkt. So liegen die KGV‑Niveaus einschlägiger Umwelt‑ und Green‑Tech‑Strategien nach unseren Auswertungen im Bereich rund 19–20, während der S&P 500 näher bei ~25 notiert.

Das fundamentale Umfeld hat sich verbessert: Für institutionelle Anleger:innen ergibt sich damit eine seltene Kombination aus moderaten Multiples, sichtbaren Cashflows und planbar wachsender Endnachfrage – ein Set‑up, das sowohl relative als auch absolute Outperformance-Potenziale eröffnet. Beachten Sie die Chancen und Risiken beim Investieren in Wertpapiere.

Risiken: Politik, Rohstoffkosten, Finanzierungskosten

Anleger:innen sollten berücksichtigen, dass dieses Potenzial auch mit gewissen Risiken verbunden ist. Veränderungen politischer Fördermechanismen, Verzögerungen bei Genehmigungen oder Netzanschlüssen sowie Schwankungen bei Rohstoffen und Finanzierungskosten können einzelne Projektkalkulationen beeinflussen. Ebenso können technologische Sprünge – etwa eine deutlich steigende Energieeffizienz von Rechenzentren oder alternative Rechenarchitekturen – die Nachfrageentwicklung zeitlich verändern. Auch Klimarisiken, Lieferkettenengpässe oder eine zunehmende Wettbewerbsintensität im Infrastruktursektor bleiben zu beachten. Dennoch überwiegt im heutigen Umfeld die strukturelle Attraktivität, sofern diese Faktoren sorgfältig gemanagt und in die Portfoliokonstruktion integriert werden.

Politisches Umfeld und Übernahmedynamik als zusätzliche Triebkräfte

Ein wesentlicher Stabilitätsanker ist das politische Umfeld, vor allem in den USA. Trotz wiederkehrender Debatten bleibt der regulatorische Rahmen – von Safe‑Harbor‑Regeln bis zu Fördermechanismen des Inflation Reduction Act – in seinen Grundzügen verlässlich. Selbst in traditionell konservativen Bundesstaaten überwiegt mittlerweile die wirtschaftliche Rationalität: „Economics trumps ideology“ – dort, wo Erneuerbare die günstigste und schnellste Option sind, werden sie gebaut.

Parallel nimmt die M&A‑Dynamik spürbar zu: Pensionskassen, Infrastrukturmanager und Private‑Equity‑Häuser nutzen das Bewertungsumfeld, um strategisch zuzukaufen – von Entwicklerplattformen bis zu Betreiberportfolios. Solche Transaktionen bestätigen die Attraktivität der Asset‑Klasse und ziehen weiteres Kapital nach sich. Wo institutionelles Kapital investiert, entstehen Skaleneffekte in Beschaffung, Bau und Betrieb – ein selbstverstärkender Mechanismus, der den Ausbau der Erneuerbaren und der Netzinfrastruktur zusätzlich beschleunigt.

Fazit: KI und Energie bilden den Investitionsmotor der nächsten Dekade

Der Übergang in eine KI‑getriebene Wirtschaft löst eine infrastrukturelle Revolution aus. Energieerzeugung, Netze, Speicher, Elektrifizierung und Rechenzentrums‑Peripherie sind die Pfeiler dieses Wandels. Institutionelle Anleger:innen stehen damit vor einem außergewöhnlich klaren, langfristigen Trend: Erneuerbare Energien und Green‑Tech‑Unternehmen sind nicht nur Mitläufer, sondern Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum im KI‑Zeitalter.

Wir stehen am Beginn eines Superzyklus. KI wird ohne gewaltige zusätzliche Energiemengen nicht funktionieren – und genau dort sind wir mit unseren Fonds investiert.“

Alexander Weiss, Fondsmanager Grüne Technologie, Erste Asset Management

Die Kombination aus strukturellem Nachfragewachstum, politischem Rückenwind, attraktiven Bewertungen und zunehmender M&A‑Unterstützung bietet ein überzeugendes Chancen‑/Risikoprofil: Für breit diversifizierte, nachhaltige und wachstumsorientierte Portfolios sind die Umwelt‑ und Green‑Tech‑Strategien der Erste Asset Management ein strategisch relevantes Exposure zu einem der prägendsten Megatrends der kommenden Dekade.

Erneuerbare Energien und Energieeffizienz im Fokus

Die Themen Energie und Energieeffizienz sind in den beiden Aktienfonds ERSTE GREEN INVEST und ERSTE WWF STOCK ENVIRONMENT seit vielen Jahren ein zentraler Schwerpunkt. Beide Fonds investieren unter anderem gezielt in Unternehmen, die Lösungen für die Erzeugung erneuerbarer Energie, den Ausbau von Netzen, Speichertechnologien sowie Effizienzsteigerungen entlang des Energiesystems entwickeln. Damit adressieren sie genau jene strukturellen Herausforderungen, die durch den steigenden Strombedarf – etwa im Zuge von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz – zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Für Anleger:innen bieten die Fonds die Möglichkeit, breit gestreut in dieses Thema zu investieren und gleichzeitig an weiteren langfristigen Wachstumstrends teilzuhaben. Dazu zählen unter anderem Abfall- und Recyclinglösungen, nachhaltige Wasserversorgung sowie weitere Umwelttechnologien, die einen positiven Nutzen für die Umwelt oder Gesellschaft haben. Durch die globale Ausrichtung und aktive Titelauswahl wird das Investment nicht auf einzelne Technologien oder Regionen beschränkt, sondern entlang mehrerer Zukunftsthemen diversifiziert. Bitte beachten Sie die Chancen und Risiken beim Investieren in Fonds.

Erläuterungen zu Fachausdrücken finden Sie in unserem Fonds-ABC.

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