
„Zurück in die Zukunft“ – 25 Jahre nachhaltiges Investieren
Rückblick auf die Nachhaltigkeitskonferenz 2026
Am 16. April 2026 durften wir zahlreiche Kund:innen und Partner:innen am Erste Campus in Wien zur diesjährigen Nachhaltigkeitskonferenz begrüßen. Für alle, die vor Ort waren, soll dieser Rückblick die zentralen Impulse noch einmal einordnen und für jene, die nicht teilnehmen konnten, eine kompakte Zusammenfassung der wichtigsten Inhalte bieten.
Nachhaltigkeit: Vom Leitbild zur Steuerungsgröße
Ein roter Faden zog sich durch den gesamten Konferenztag: Nachhaltigkeit wird heute zunehmend als ökonomische Notwendigkeit verstanden nicht mehr primär als normativer Anspruch.
Die Diskussionen machten deutlich, dass sich nachhaltiges Investieren in einer neuen Phase befindet. Aspekte wie Messbarkeit, Risikobetrachtung und reale Wirkung stehen stärker im Vordergrund als noch vor einigen Jahren. In einem Umfeld geprägt von Regulierung, geopolitischen Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheit gewinnt dieser Ansatz weiter an Bedeutung.
ESG im Wandel: Keine Krise, sondern Reife-Prozess
Timo Busch (c) Philipp Lipiarski
Einen wichtigen Impuls lieferte Timo Busch zur Einordnung aktueller ESG-Debatten. Die häufig diskutierte Frage eines möglichen „ESG-Backlash“ wurde differenziert betrachtet. Die zentrale Erkenntnis: Nach Jahren starken Wachstums erlebt der Markt eine Phase der Normalisierung und Konsolidierung. Nachhaltigkeit entwickelt sich weiter, hin zu einem stärker integrierten Ansatz, der sowohl finanzielle als auch nicht-finanzielle Aspekte vereint.
Dabei rücken insbesondere folgende Dimensionen in den Fokus:
- Resilienz von Geschäftsmodellen
- Transparenz und Datenqualität
- Transformation in der Realwirtschaft
Performance-Frage: Ein differenziertes Bild
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Frage, wie sich nachhaltige Investmentstrategien im Vergleich zu klassischen Ansätzen entwickeln. Die präsentierten Analysen zeigten ein ausgewogenes Bild:
- In mehreren Fällen konnten nachhaltige Strategien vergleichbare oder bessere Ergebnisse erzielen
- Gleichzeitig gibt es je nach Strategie auch phasenweise geringere relative Entwicklungen
- Insgesamt lässt sich jedoch kein genereller Nachteil für nachhaltige Investments ableiten
Bemerkenswert war vor allem die Beobachtung, dass nachhaltige Portfolios in herausfordernden Marktphasen häufig robuster reagieren. Es kann aber auch zu Kursverlusten kommen.
Philipp Schubert (c) Philipp Lipiarski
Biodiversität als wirtschaftlicher Faktor
Ein besonders eindrucksvoller Teil der Konferenz widmete sich der Rolle der Natur im wirtschaftlichen Kontext. Die zentrale Botschaft von Teresa Gäckle und Marie Pfeiffer des WWF Österreich: Ökosysteme sind eine wesentliche Grundlage wirtschaftlicher Wertschöpfung, werden jedoch in vielen Modellen bislang unzureichend berücksichtigt. Diskutiert wurden unter anderem:
- die zunehmende Verknappung von Ökosystemleistungen
- die Abhängigkeit vieler Industrien von stabilen natürlichen Ressourcen
- konkrete Beispiele aus Österreich, etwa die Bedeutung intakter Flusssysteme für Hochwasserschutz und Infrastrukturkosten
Damit wurde deutlich: Biodiversität ist nicht nur ein Umwelt-, sondern zunehmend auch ein Risikothema für Unternehmen und Investor:innen.
Nachhaltigkeit im Kontext globaler Entwicklungen
Einen breiteren Blick auf die Zukunftsthemen unserer Zeit lieferte die Einordnung aktueller globaler Entwicklungen. Nachhaltigkeit wurde dabei in einen größeren Zusammenhang gestellt: Mehrere parallele Krisen – von Klima über Energie bis hin zu geopolitischen Spannungen – wirken gleichzeitig und verstärken sich gegenseitig.
In diesem Kontext zeigt sich:
- Die Transformation von Energiesystemen gewinnt weiter an Dynamik
- Technologische Entwicklungen, insbesondere im Bereich Digitalisierung und KI, erhöhen gleichzeitig den Ressourcenbedarf
- Nachhaltigkeit wird damit zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor im globalen Umfeld
Von Umweltfaktoren zu finanziellen Risiken
Am Nachmittag wurde der Blick stärker auf die konkrete Umsetzung in der Portfolio-Praxis gerichtet. Ein zentrales Thema war die zunehmende Bedeutung naturbezogener Risiken für Investitionsentscheidungen. Diskutiert wurden verschiedene Risikotypen:
- physische Risiken (z. B. Extremwetter, Wasserknappheit)
- regulatorische Veränderungen
- Übergangsrisiken im Zuge der Transformation
- reputationsbezogene Auswirkungen
Anhand konkreter Beispiele wurde gezeigt, wie sich diese Faktoren auf Kostenstrukturen, Bewertungen und Cashflows auswirken können und damit direkt in Investmententscheidungen einfließen.
Regulierung: Mehr Transparenz, aber auch mehr Komplexität
Auch die Rolle der Regulierung wurde intensiv beleuchtet, insbesondere im Hinblick auf die SFDR (Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR). Eine wichtige Klarstellung dabei: Die SFDR stellt kein Qualitätslabel, sondern einen Rahmen für Transparenz dar. Gleichzeitig hat sie maßgeblich dazu beigetragen, dass sich Marktteilnehmer:innen intensiver mit Nachhaltigkeit auseinandersetzen.
In der Praxis zeigt sich jedoch:
- Die Anforderungen sind komplex und teilweise schwer vergleichbar
- Für viele Anleger:innen ist die Einordnung nicht immer intuitiv verständlich
Fazit
Die Nachhaltigkeitskonferenz 2026 hat eindrucksvoll gezeigt, wie sich nachhaltiges Investieren weiterentwickelt: von einer wertegetriebenen Perspektive hin zu einem integralen Bestandteil moderner Investmentprozesse. Im Zentrum steht heute die Verbindung von:
- Performance
- Risikobewusstsein und
- realwirtschaftlicher Wirkung
Wir bedanken uns bei allen Teilnehmer:innen uns Speaker:innen für den offenen Austausch und freuen uns, diesen Dialog auch in Zukunft gemeinsam fortzusetzen.
Erläuterungen zu Fachausdrücken finden Sie in unserem Fonds-ABC.
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