Emerging Markets Übersicht
Aus China gab es im Juni vergleichsweise wenige marktbewegende Nachrichten. Alibaba wurde von Anthropic beschuldigt, über Tausende gefälschter Benutzerkonten eigene KI-Modelle trainiert zu haben. Darüber hinaus erklärte sich das Unternehmen bereit, 600 Mio. USD zu zahlen, nachdem Händler über die Plattform in den USA illegale Medikamente vertrieben hatten. Aktien und Anleihen von Alibaba reagierten negativ auf diese Entwicklungen. Wir bleiben in dem Emittenten untergewichtet.
Der kürzlich gegründete indonesische Staatsfonds Danantara prüft die Einführung einer Amnestieregelung für Investitionen in die vom Staatsfonds begebenen Anleihen. Diese würde auf eine Herkunftsprüfung der investierten Mittel sowie auf steuerliche Ermittlungen und zivil- beziehungsweise strafrechtliche Verfahren verzichten. Ziel ist es offenbar, zusätzliche Kapitalzuflüsse zu mobilisieren. Gleichzeitig wirft der Vorschlag Fragen hinsichtlich der Herkunft der Mittel und der Governance-Standards auf.
Honduras wirbt verstärkt um ausländische Investitionen in Industrieparks und Energieprojekte. Ziel ist es, die heimische Verarbeitungsindustrie auszubauen und zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen.
Die Wirtschaft Panamas profitierte im ersten Quartal deutlich vom hohen Schiffsaufkommen im Panamakanal – unter anderem als Folge der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten – sowie von einer starken Entwicklung des Tourismussektors. Die Zahl der Touristen lag dabei um mehr als 14 % über dem Vorjahresniveau.
Die konservativen Parteien gingen aus den Wahlen in Peru und Kolumbien als Sieger hervor. Beide Regierungen haben bereits eine stärkere Annäherung an die USA angekündigt und wollen die organisierte Kriminalität, insbesondere den Drogenhandel, entschlossener bekämpfen. Die Finanzmärkte reagierten positiv und brachten damit ihre Erwartung einer künftig solideren Fiskalpolitik zum Ausdruck. Insbesondere in Kolumbien dürfte deren Umsetzung jedoch eine erhebliche Herausforderung darstellen.
Wie erwartet verlängerten die USA unter Präsident Trump das USMCA-Freihandelsabkommen nicht. Gemäß den Vertragsbestimmungen tritt das Abkommen damit automatisch in eine einjährige Übergangsphase ein. Dies verschafft den USA zusätzlichen Verhandlungsspielraum gegenüber Mexiko und Kanada und erhöht die Wahrscheinlichkeit weiterer Zugeständnisse seitens der beiden Partnerländer. Insgesamt ist diese Lösung zwar einer vollständigen Aufkündigung des Abkommens vorzuziehen, sie erhöht jedoch die Investitionsunsicherheit in den betroffenen Volkswirtschaften und dürfte das mittelfristige Wachstum belasten. Ein Treffen zwischen Präsident Trump und der mexikanischen Präsidentin Claudia Sheinbaum könnte im Rahmen des G20-Gipfels am 14. und 15. Dezember 2026 in Miami stattfinden.
In Argentinien verbesserte sich die Zustimmung zu Präsident Javier Milei leicht – auch in jenen traditionell geprägten Teilen von Buenos Aires, die dem Lager von Ex-Präsidentin Kirchner zuzuordnen sind. Der Rückgang des Ölpreises wirkt sich jedoch dämpfend auf den Aufbau der Währungsreserven aus. Gleichzeitig geben 59 % der Bevölkerung an, dass ihre monatlichen Einkommen nicht ausreichen, um die Lebenshaltungskosten zu decken. Finanzminister Luis Caputo hält dennoch an dem Ziel fest, bis 2031 ein Investment-Grade-Rating für Argentinien zu erreichen – ein ambitioniertes Vorhaben, das im historischen Vergleich außergewöhnlich wäre. Mit Blick auf die Präsidentschaftswahlen 2027 stärkte Milei zudem die Zusammenarbeit mit der Partei PRO: Nach dem Rücktritt des Kabinettschefs Adorni im Zusammenhang mit ungeklärten Korruptionsvorwürfen ernannte er Diego Santilli zum Nachfolger und vertiefte damit die politische Kooperation beider Parteien gegen das Kirchner-Lager.
Ghana reagierte entschlossen auf die ausländerfeindlichen Proteste in Südafrika, die sich unter anderem gegen illegale Einwanderung aus Ghana richteten. Die Regierung kündigte an, die ab 2027 auslaufende Konzession für die größte Goldmine des südafrikanischen Bergbauunternehmens Gold Fields voraussichtlich nicht zu verlängern und stattdessen an lokale Unternehmen zu vergeben. Die Aktie von Gold Fields verlor nach der Ankündigung rund 18 % und spiegelte damit in etwa den Ergebnisbeitrag der betroffenen Mine wider. Die Anleihen gaben um rund 50 bis 75 Basispunkte nach. Wir halten an unserer Übergewichtung fest, da der Emittent selbst im Falle eines Konzessionsverlustes über eine sehr solide Bilanz verfügt. Die Nettoverschuldung liegt lediglich bei rund dem 0,3- bis 0,4-Fachen des EBITDA.
Der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, warnte Armenien und Moldawien davor, den außenpolitischen Kurs der Ukraine einzuschlagen und ihre Annäherung an die Europäische Union weiter voranzutreiben.
Im Bemühen um eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den USA lud Serbien amerikanische Unternehmen zur Beteiligung am Wasserkraftprojekt Djerdap 3 an der Donau ein. Das Projekt sieht eine installierte Leistung von bis zu 2,4 GW, Investitionskosten von bis zu 5 Mrd. EUR sowie eine geplante Inbetriebnahme im Jahr 2036 vor.
Die Staaten am Persischen Golf scheinen dem Friedensprozess mit dem Iran weiterhin mit Zurückhaltung zu begegnen. Vor diesem Hintergrund treiben sie den Bau einer Ölpipeline zur Küste außerhalb der Straße von Hormus voran, um die Abhängigkeit von der strategisch bedeutenden Schifffahrtsroute zu verringern.
Hinweis: Die in diesem Beitrag angeführten Unternehmen sind beispielhaft ausgewählt worden und stellen keine Anlageempfehlung dar.